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MUZ Kolumne: Right In Your Face!

Ein altes Sprichwort aus Uganda sagt: „Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“. Wenn mein Unternehmen so milliardenschwer wie Facebook wäre, würde ich mir auch die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Doch das scheint ja alles erst der Anfang zu sein. Der Platz an der Sonne wurde ja 2010 erst erobert. Und im Schatten stehen so Medienmonster wie Myspace. Aber ich kann den Erfolg schon verstehen. Es ist alles so einfach. Profil anlegen. Bilder hochladen. Mit Leuten befreunden. Spaß haben. Ich tippe was ein und alle meine Freunde können es auf ihrer Hauptseite verfolgen. Und genauso kann ich auch verfolgen was alle meine Freunde so machen. Es ist genial! Ich kann mit einem Klick meine Sympathie zu einem Beitrag zeigen. Daumen hoch. Alles ist so nahe gekommen. Alle sind so miteinander befreundet. Wir sind alle wie eine große Familie ein klein wenig enger am Mittagstisch zusammengerutscht. Ich hab auf einen Schlag mehr Freunde als mir auf den ersten Klick eingefallen wären. Und dabei ist Freunde finden ja so was von angenehm geworden. Als FreundIn hinzufügen - Klick – Anfrage versenden – Klick. Aber da hat uns StudiVZ schon gut erzogen und uns diese Mechanismen schön an die Hand - oder sollte ich besser sagen an den Zeigefinger - gelegt.

Alles ist so intuitiv geworden. Ich lade meine Fotos in einem Fotoalbum hoch. Markiere meine Freunde auf den Bildern und alle sitzen wir eng gepresst auf der virtuellen Couch und stöbern in den Bildern der letzten Party. Und lachen. Und kommentieren. Und lachen. Und zeigen bei ganz gelungenen lustigen Schnappschüssen unseren imaginären Daumen nach oben. Hach, was war das für eine lustige Feier. Da stört es mich auch nicht, wenn nicht nur meine echten Freunde, sondern auch meine guten Facebookfreunde die Bilder betrachten können auf denen ich in den Armen einer meiner oberkörperfreien Freunde einen Gin Tonic leere. Ich hätte ja damals in der guten alten Realität auch flüchtigen Bekannten mein Fotoalbum unter die Nase gehalten. Und irgendwie ist es praktisch, seitdem ich bei Facebook bin telefonier ich viel weniger. Wir stehen ja alle über Facebook in Kontakt und können nachgucken was die anderen so machen. Und wenn ich mich auch dafür interessiere, dann kann ich ja mal einen kurzen Daumen hoch klicken oder ich lasse eine kurze Zeile da. Wenn ich überlege, dann hab ich schon ganz schön viele Freunde durch Facebook dazu gewonnen. Okay, einige alte Vorfacebookfreundschaften sind ein wenig in den Hintergrund gerückt, aber dafür hab ich bestimmt 100 neue Freunde gefunden.

Aber ab und zu mach ich mir dann doch meine Gedanken. Da war man auf einer absolut tollen Muckibude und hat mit total vielen Leuten einen ganzen Abend Spaß gehabt. Und dann findet man kein einziges Bild auf Facebook. Manchmal denk ich, dass ich nicht mehr ganz richtig klicke. Kein Foto. Oder hab ich nur von der Muckibude geträumt? Ich find einfach keinen Link. Kein Kommentar zu nichts. Vielleicht ist es wirklich so: wenn ein Baum umfällt und keiner ist da, der es hört, hat der Baum dann wirklich ein Geräusch gemacht?

Dezember 2010, Hannelore Knaust