Adios Nonino (CD Review)
Erscheinugsdatum: 20.08.2007
Der Nürnberger Gitarrist, Musikproduzent und Veranstalter Stefan Grasse setzt sich auf seiner CD „Adios Nonino“ mit dem Werk des argentinischen Bandoneon-Spielers Astor Piazzolla auseinander.
Bereits der Albumtitel lässt die Intensität erahnen, die notwendig ist, um sich mit dem künstlerischen Schaffen des 1992 verstorbenen Südamerikaners auseinanderzusetzten. „Adios Nonino“ wurde von Piazzolla 1959 als Hommage an seinen Vater geschrieben, den kurz davor das Zeitliche gesegnet hatte. Eine weitere Schwierigkeit bei der Umsetzung bestand sicherlich darin, den nicht im traditionellen Sinne tanzbaren Tangorhythmus (Tango Nuevo) von Piazzolla zu transportieren, ohne dass er an Vielschichtigkeit und sagen wir Basis-Melancholie verliert. Eine anspruchsvolle Aufgabe für den 45jährigen Gitarristen, der sowohl Jazz bei Peter O´Mara (München) als auch klassische Gitarre bei Kurt Hiesl (Nürnberg) gelernt hat und heute unter anderem als Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen-Nürnberg arbeitet. Statt des typischen Bandoneon-Sounds (Bandoneon = ein Handzuginstrument, welches von Heinrich Band aus der Konzertina entwickelt wurde) wählt er ein Streichquartett und seine regelmäßigen Mitstreiter Tobias Kalisch (db) und Sandor Toth (per) und versucht sich in dieser Konstellation durchaus gelungen an dieser Mischung von bittersüßen Melodiebögen und schroffen Zäsuren.
Schön finde ich, dass Grasse sich die Solopassagen sorgsam ausgewählt hat und an manchen Stellen bewusst in den Hintergrund tritt, um dem Hörer sozusagen ein multi-instrumentales Erlebnis mit viel Zeit und Raum zu verschaffen.
Einen weiteren Pluspunkt sammelt er bei mir für den unmodern klingenden Sound der Platte ein. So etwas mag ich und so etwas fehlt mir nicht selten bei modernen Produktionen quer durch musikalische Genres. Ein wenig schade finde ich den übertrieben punktgenauen Percussioneinsatz, z.B. bei „Adios Noninio II“. Da hätte man durchaus noch ein wenig mehr Mut beweisen und den Groove mit mehr Eigenständigkeit versehen können. Das liegt mir alles zu eng beisammen. Trotzdem: Entgegen meiner Erwartungen nicht nur ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Eltern, sondern durchaus auch für die ruhigeren Momente des jüngeren Daseins geeignet.
Homepage:
www.stefan-grasse.de
Quelle: David Lodhi






