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SPERMBIRDS am 12.12. im Z-Bau

Seit mehr als zwanzig Jahren prägen die SPERMBIRDS wie kaum eine andere Band die europäische Hardcoreszene. Auf der 1984 erschienen ersten Single veröffentlichte die Band um Sänger Lee Hollis mit „My God Rides A Skateboard“ einen Song, der bis heute als Hymne in der Skaterszene gilt. 1986 folgte der erste Longplayer „Something To Prove“, der als Meilenstein europäischer Hardcoregeschichte gilt und die Band weit über die Grenzen Europas berühmt machte.  All dies vor einer Zeit, in der Major-Plattenfirmen Punkrock für sich entdeckten oder Musikfernsehen diese Musik als neuen Hype feierte. Es folgten die Alben „Nothing Is Easy“ und „Common Thread“. Letzteres mit Stücken wie „Melt The Ice“ und „Only A Phase“, die eine Brücke schlugen zwischen dem rasenden Speed des US-Hardcore und langsameren, schwereren, aber ebenso harten Rythmen - später nannte man so was „Crossover“. Plötzlich wurden die Spermbirds nicht nur in den Jugendzentren Europas, sondern auch auf den Alternative-Dancefloors abgefeiert. Erneut stellte die Band ihre Fähigkeit unter Beweis, ihr gutes Songwriting in einer sich wandelnden Szene zu bewahren. Nach mehrfachen zwischenzeitlichen Auflösungen (die übrigens nie in persönlichem Streit, sondern stets in unterschiedlicher Lebens- und Karriereplanung oder musikalischer Entwicklung ihre Ursache hatten), schien 1996 dann doch das endgültige Ende der SPERMBIRDS gekommen.

Man feierte seinen Abschied bei einem legendären Konzert vor 1200 Fans in Kaiserslautern, der ursprünglichen Heimatstadt der fünf Musiker. Doch dann kam die überraschende Wende: 1998 begann ein neues Kapitel für die Kultband. Ein Anruf von Lee Hollis, ließ keinen seiner alten Bandkumpels zögern – zu verlockend war für jeden die Möglichkeit, wieder mit den – immer noch – guten Freunden Musik zu machen und Konzerte zu spielen. Schon die erste Probe ließ die vorangegangenen zwei Jahre vergessen – das vertraute musikalische Verständnis, die bandeigene Magie war sofort wieder da, als hätte es eine Zeit ohne die SPERMBIRDS nie gegeben. Die darauf folgenden Konzerte vor ausverkauften Hallen genoss die Band angesichts der entgegengebrachten Euphorie in vollen Zügen. Angetreten, um ein wenig Spaß zu haben und eben ein paar Konzerte zu spielen, erlebten die alten HC-Recken ein berauschendes Konzert nach dem nächsten mit der typischen und bereits legendären Band-Publikum-Kumpelei.

Auch wenn eine neue Platte bald in den Köpfen herumschwirrte, gab es einige Hürden zu nehmen. Einige der Sperma-Vögel hatten mittlerweile feste Jobs, Kinder und ihre eigenen Bands, die seit Auflösung der SPERMBIRDS in den Vordergrund gerückt waren. Zudem lebt jeder Musiker in einer anderen Stadt: (Köln, Frankfurt, Berlin, Saarbrücken). Da blieb nicht viel Zeit, und so zog sich das Songwriting über insgesamt sechs Jahre, was angesichts der Zahl von höchstens vier Proben pro Jahr sogar noch als recht ökonomisch zu bezeichnen ist. Immerhin gelang es bis heute, weit über dreißig neue Songs zu schreiben. Und so wird im Mai endlich das Blunoise-Studio in Troisdorf betreten, um das neue Album „Set An Example“ zusammen mit Guido Lucas (u.a. Blackmail) aufzunehmen. Dass das neue Plattencover mit „Cerebus the Aardvark“ (einem Helden der US-Independent-Comicszene) die gleiche Figur ziert wie auf dem Erstlingswerk „Something to prove“, darf ruhig als symbolische Geste gewertet werden.

Der Kreis schließt sich, zugleich entsteht ein neuer Anfang. Das gilt übrigens durchaus auch für den musikalischen Inhalt. Klassischer Punkrock und rasende Hardcorebeats finden sich hier eben so wie jener Typus des „etwas anderen Songs“, der immer ebenfalls typisch für die SPERMBIRDS waren und der sie aus dem Kreis ihrer HC-Zeitgenossen stets herausstechen ließ. Lieder wie „Set An Example“ oder „Economize“ sind verdammt schnell, aggressiv und zeigen Lee Hollis von seiner harten Seite. „Knifethrower“ dagegen kommt fast dunkel und bedrohlich daher, offenbart in seinem Refrain aber erneut jenes hymnische Element, das sich von jeher in vielen Spermbirds-Songs findet („Try again“!).

„If You Got Something To Say (Say It Loud)“ hat nicht nur den längsten Namen sondern besticht durch seinen Beatcharakter und eine Gitarrenmelodie, die an alte James Bond-Filme erinnert. „Set an Example“ ist ein hartes, schnelles HC- und Punkrockalbum geworden, mit schnellen Beats, jeder Menge Hardcore-Riffs und Melodien die sofort ins Ohr gehen. Ein typisches SPERMBIRDS-Album und doch zeitlos, dem die bissigen und böse-sarkastischen Texte von Lee Hollis einen perfekten Rahmen geben. Auch ihren Ruf als einer der energetischsten Hardcore-Bands Europas werden die SPERMBIRDS bei einigen Konzerten im Juni und Juli unter Beweis stellen, bevor sie im Herbst auf einer ausgedehnten Tournee die Konzertbühnen Europas stürmen.

Am Mittwoch 12.12.07 ab 21h in der Galerie / Z-Bau