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Die Marsis in Japan – ein Rückblick

„Wie war's in Japan?" – jedem Bandmitglied der Mars Mushrooms dürfte diese Frage mittlerweile ziemlich zum Hals raushängen. Was soll man da sagen? Wie soll man einen Trip, den viele für unwahrscheinlich, manche für unmöglich hielten, in ein paar Sätzen beschreiben? Wie soll man Ordnung in das ganze Gedankenchaos, das auch noch acht Wochen nach Ende der Monster-Tour in so manchem Kopf herrscht, bringen?

Michi, Gitarrist und Sänger der Marsis, hat da eine Strategie: auf die Frage, die keiner hören will, erwidert er: „Stell mir 10 konkrete Fragen und ich beantworte sie Dir."

Das scheint gut zu klappen und soll deswegen auch hier Anwendung finden. Hier sind 10 Fragen, die sich die Band selbst stellen würde, wäre sonst keiner da, der sie stellt:

1) Was hat Euch an den Japanern am meisten überrascht?  

  • Japaner sind anders als man denkt. Auch wenn wir uns die meiste Zeit in einer sehr westlich orientierten und weltoffenen Szene bewegt haben (Hippies sind überall gleich), kann man vom Durchschnittsjapaner doch auch sagen, dass er sehr freundlich, hilfsbereit und nach anfänglicher Scheu sehr ehrlich und direkt ist. O-Ton Chikaho (japanischer Tourmanager der Marsis): „Mars Mushrooms need to practice more!!!"    


2) Habt ihr in Japan anders gespielt als zu Hause?  

  • Abgesehen von Faktoren, wie Jet-Lag, Krankheit und Sushi Overload, die die Spielweise mit Sicherheit beeinflusst haben waren wir etwas experimentierfreudiger. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir meistens vor Leuten spielen durften, die Jam-Musik gewöhnt sind und für die Phish nichts zum Essen ist.    


3) Ist in Japan wirklich alles so teuer?  

  • Nein. Ganz im Gegenteil, wenn man nicht gerade Kugelfisch Filet in Gesellschaft von Edel-Prostituierten zu sich nimmt, kann man in Japan sehr günstig leben. Teuer wird es aber für Musiker wie uns, die gewohnt sind, ihre Getränke nicht zahlen zu müssen. Das ist in Japan anders. Die Japaner freuen sich zwar, dass du da bist. Dein Bier zahlst du aber selbst. Arigato.    


4) Hattet ihr überhaupt Zeit für Sightseeing?
 

  • Wenig. Und wenn, dann war man meistens so übermüdet, dass man die „sights" nur verschwommen und mit Stimmen im Kopf wahrnahm. Ein paar Dinge blieben aber doch hängen. Ein paar Tempel waren zum Beispiel wirklich beeindruckend und spendeten die nötige Ruhe. Außerdem verleiten einen Zen-Gärten dazu, Schnee-Engel darin zu machen.    


5) Gab es kulinarische Highlights?  

  • Definitiv. Michis Highlight waren Seeigeleierstöcke, viele (v.a. Christoph) sind dem Ramen verfallen (eine Art chinesischer Schweinebraten in japanischer Nudelsuppe), manche flüchteten ab und zu aber auch in den McDonalds um das Heimweh zu überwinden. Und Lars hat die ganze Zeit getrocknete Pommes aus der Tüte gegessen.      


6) Was war das peinlichste Erlebnis?  

  • In Enoshima haben wir nach 45 Minuten aufgehört zu spielen, weil wir dachten, wir haben keine Zeit mehr. Vereinbart waren aber 90 Minuten. Gott sei dank sind die Japaner so freundliche Menschen. In Deutschland hätte man dafür entweder kein Geld oder Schläge vom Türsteher bekommen.    


7) Wie habt ihr Neujahr erlebt?  

  • Glücklicherweise hatten wir die Möglichkeit, ins neue Jahr zu spielen. Da fühlt man sich wie ein Rockstar im Madison Square Garden (auch wenn an dem Abend nur 40 Leute da waren). Ein paar von uns kamen danach noch in den Genuss, am Tempel zu beten und eine Weissagung für's neue Jahr zu bekommen. Für manche ging das ganz glimpflich aus (unsere Verlobten, Michi und Simone, werden heiraten, wenn auch nur einer von ihnen…). Anderen blüht da ganz Anderes: Leo bekommt Krebs und Herzinfarkt.  


8) Gab es Dinge, die euch an den Japanern so richtig genervt haben?  

  • Ja. Japaner fangen um 13:00 mit dem Soundcheck an. Das mag manchmal ganz nett sein, aber nicht wenn man die Nacht davor von 3:00 - 4:30 gespielt hat. Und weil Pünktlichkeit in Japan groß geschrieben wird, haben wir uns viel Mühe gegeben, auch immer zum Soundcheck zu erscheinen. Hat meistens geklappt.  


9) Ist Rock n' Roll in Japan dasselbe wie anderswo auf der Welt?  

  • Mal abgesehen von der Aussprache des Begriffs, ja. Auch Japaner wollen im Grunde einfach nur feiern, auch wenn das auf den ersten Blick gesitteter rüberkommt als bei uns. Wo wir uns in Sachen Rock n' Roll noch eine Scheibe abschneiden können von den Japanern ist der optische Aspekt von Rock-Konzerten. Bei vielen unserer gigs waren Lichtkünstler am Werk, die wirklich abgefahrene Effekte an die Wand projiziert haben. Das mag jetzt etwas 70er klingen aber die Technik ist weit gekommen seit unsere Eltern in Schlaghosen zu Jimi und Janis zappelten. Deutschland braucht mehr buntes Licht!


10)  Was würdet ihr einer Band mit auf den Weg geben, die ihre erste Japan Tour antritt?  

  • Vorschlafen! Und Christoph fragen…  


Homepage:
www.marsmushrooms.de
www.myspace.com/marsmushrooms