GOOD THINGS TOUR 2008
Denkt man an Schweden in der Nacht, man assoziiert Elche, Knäckebrot, blauäugige blonde Hünen und überfüllte Möbelhäuser. Nach einem Kontakt mit Looptroop verbindet man mit Schweden immer noch Elche und Knäckebrot, aber auch hochintelligenten Conscious-Hip Hop, und die imaginären blauäugigen Hünen haben plötzlich meterlange Dreadlocks. Was ist passiert?
Wir schreiben das Jahr 1991 in Västerås. DJ Mc Marshall (man wird ihn später als Embee kennenlernen) und sein Schulkollege Marcie Cee haben den Hip Hop für sich entdeckt. Eine exotische Angelegenheit für eine schwedische Kleinstadt - aber vermutlich gerade deshalb so interessant. Glaubt man der Überlieferung, so suchten die beiden ihren Mitstreiter MC Mårten danach aus, welcher ihrer Schulkameraden am wenigsten danach aussähe, als könne er rappen. Der Schein trügt, und der langhaarige Junge mit den engen Jeans erweist sich als exzellente Wahl. Promoe, damals noch MC Mårten, findet ebenfalls schon beachtlich früh zum Hip Hop. Seit 1986 als Graffitisprüher aktiv, wechselt er nach fünf Jahren die Disziplin und greift zum Mikrofon. Seine Verbundenheit zur Writer-Szene bleibt dennoch stark und spiegelt sich immer wieder in seinen Texten: „Graffiti writers won't die because these walls don't lie. I'm dedicating this song to those gone, your memory live on.“ Promoes ragga-lastiger Flow ist deutlich von seinen reichlich Reggae und Dancehall umfassenden Hörgewohnheiten beeinflusst, was bei seinen Soloproduktionen „Gouvernment Music“ (2000) und „Long Distance Runner“ (2004) noch etwas deutlicher zutage tritt.
Embee und Promoe nehmen 1991 ihren ersten gemeinsamen Song auf. Zur Verstärkung holen sie Mellow T ins Boot, der ebenfalls aus Västerås stammt. Promoe entdeckt ihn, als er auf einer Highschool-Veranstaltung gegen Mitglieder seiner ehemaligen Crew „The Hot Dogs“ anrappte. Mellow T aka CosM.I.C. stellt seitdem das Partytier der Truppe; seit 1993 nennt sich die Formation „Looptroop“.
Das erste Tape nimmt mit dem Titel „Superstars“ den Erfolg vorweg. Das zweite führt MC Supreme ein, der als viertes Looptroopmitglied seit 1996 das Quartett komplettiert. In den Jahren zwischen 1996 und 2000 veröffentlichen Looptroop auf ihrem eigenen Label „David vs. Goliath“ mehrere EPs. Auf jegliche Unterstützung durch Majorunternehmen wird bewusst verzichtet; Looptroop gehen mit „David vs. Goliath“ einen Deal mit dem schwedischen Punk- und Hardcore-Label „Burning Heart Records“ ein.
In diesem Rahmen erscheint 2000 das erste Album „Modern Day City Symphony“. Der Nachfolger „The Struggle Continues“ erregt weltweites Aufsehen; Looptroop spielen unzählige Liveshows auf allen Kontinenten, darunter auch Auftritte mit Größen wie den Arsonists, High & Mighty, Non Phixion, Pharoahe Monch und Xzibit. 2005 folgt der der dritte Longplayer „Fort Europa“, den Embee - wie die beiden vorangegangenen Alben - ebenfalls komplett selbst produziert hat. Mit seinem Soloalbum „Tellings From Solitaria“ räumt Embee 2005 einen schwedischen Grammy ab, das nur nebenbei bemerkt.
Unter den auf Looptroop-Produktionen immer wieder gern gehörten Gästen findet sich neben Chords und Timbuktu das Stockholmer Rapper-Urgestein Petter. Er ist es, der die Looptroop-MCs dazu animiert, auch schwedische Texte zu verfassen; der Großteil der Lyrics ist allerdings im wunderbar verständlichen Englisch, das offenbar nur Skandinavier beherrschen, gehalten - was gut ist, da sich so die intelligenten, oft politisch motivierten und stets gehaltvollen Texte auch einem dem Schwedischen nicht mächtigen Publikum erschließen. Das ist wiederum nötig, denn Looptroop sind mit Sicherheit soeben wieder auf dem Absprung zur nächsten Tour: the struggle continues.