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Zenga

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06. November 2017

Zenga

Hoch über den Dächern Japans glimmt die Luft. Dichte, aufgeheizte Rauchschwaden verdunkeln die Glut einer mühsam aus Erle gezimmerten Kammer. Aale werden in traditioneller Weise von zwei jungen Finnen über getrocknetem Seetang geräuchert bis das salzige Meerwasser langsam in den letzten Atemstunden aus den kleinen Kerlen verschwunden ist. Immer wieder wird dieser intensive Prozess neu angefeuert, durch das anfeuchten des Tangs mit triefenden Wasserlilienwurzeln. Jedes mal ein Zischen. Jedes mal heißer Rauch.

Keine fünfzig Meter tiefer, etwa auf Höhe des 43. Stockwerks eines dieser Himmelstürme, verkleben vier Männer und eine Frau hungrig und sorgsam ihre Fußballbilder in Sammelheften, die sie auf einem der zahlreichen Flohmärkte Asiens erstanden hatten. Die 90er waren kein Zufall – sie waren Mythos. Sie waren Haptik. Wirklich Berühren wurde groß geschrieben. Jede Möglichkeit des Drucks und der Zärtlichkeit wurden verfeinert und vertieft. Es entstand eine Eleganz der Rhythmik ohne in Bewegung zu geraten. Ein Tanz des Gefühls zwischen Spannung und Heiterkeit. Jeder Wimpernschlag küsste eine nie dagewesene Sensibilität. Wäre der Himmel ein Spiegel gewesen, verglühten wir doppelt beim Hören von Zenga. Eine Band im Guss. Klare Ströme und verwinkelte Keys erklären mit wenigen Worten Gesang zu einer Ode ans Meer. Weitwinklig strahlen Gitarre und Bass in den lebendig hallenden Raum, der sich wohlfühlt im Schweben. Und während die Drums der Präzision die Stockwerke anzeigen, wird jede Treppenstufe zu Rauch. Gleich gibt es Aal.

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