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Schubsen

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17. Oktober 2016

Schubsen

Die Story könnte hier schon zu Ende erzählt sein, ohne dass ich mich erinnern kann, wie sie wirklich begann. Vielleicht hat sie da drüben begonnen, mit dem Laden, in dem uns früher die vielen Aufkleber auf dem Klo die Welt erklärt haben. Heute sind die Aufkleber weg und die Welt müssen wir uns selbst erklären. Das tun wir natürlich weiterhin am Tresen, der jetzt aber immer blank geputzt ist. Kleine Drinks zu großen Preisen.

Auch die Graffitiszene sprüht inzwischen ganz legal, sie tobt sich irgendwo dort hinter den Gleisen aus, wo sie gerade ein Neubauviertel hochziehen. Erst die Graffitis, dann die Künstler, dann die Szenekneipen und dann die Leute von immowelt.de. Gentrifidingsbums? Ach komm schon, lass’ doch bitte stecken. Illusionen hin, Explosionen weg.

Im Neubaugebiet wohnen dann die, die eigentlich auch gerne Teil der Graffitiszene wären. Oder wenigstens Skateboardfahren können. Vielleicht gründen ihre Kinder ja irgendwann eine neue Gang und lassen Wassermänner mit ihren Quallen lachen, aber bis dahin muss ein bisschen am Bier nippen reichen, für steife Rücken und perfekt geschminkte Leichen.

Vielleicht haben wir uns am Tresen kennengelernt, vielleicht aber auch im Konzertsaal. Du auf der Bühne, er am T-Shirt-Stand, wir beide irgendwo dazwischen. Models, Meyers, Maskeraden. Heute stehen wir zu viert zusammen da oben. Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang - und ein Ziel: Einfluss auf das Träumen nehmen.

Die wollen nur spielen, sagt einer im Publikum und es klingt wie ein Vorwurf. Mag sein, doch das Chaos war besonders; vom Gefühl her gleich, vom Ergebnis anders. Welchen Stempel die Entscheider da nun drunter setzen, ist uns völlig einerlei, wir freuen uns auf glorreiche Zeiten und neue Blessuren. Am Ende ist es einfach Rockmusik von vier Menschen, die sich von den Aufklebern die Welt erklären haben lassen und ihre ganz eigenen Schlüsse gezogen haben. Die Story könnte hier auch starten, genau von Anfang an.

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